Leben … am liebesten in einem Paralleluniversum

Als ich am Wochenende daheim war habe ich mal wieder in einem meiner alten Notizbücher gestöbert und alte Texte von mir gelesen. Egal ob es nur Gedanken waren oder wirklich Geschichten. Sie hatten eines gemeinsam. Meine triste Einstellung dem Leben gegenüber.

Zum Beispiel sagte die Ich-Figur in einer Geschichte ihrem Gegenüber: „Ich habe alles versucht, doch ich schaffe es einfach nicht, im echten Leben glücklich zu sein.“ In diesem Moment befand sich die Ich-Figur in einer anderen Welt. In einer Welt, die ich mir zusammen mit einer Person aufgebaut habe, die ich im Internet kennengelernt habe. In einem sicheren Rahmen, einer Schreibcommunity.  Das absurde war, dass dieses Mädchen alle meine Gedanken kannte. Alle meine Sehnsüchte und Ängste. Und ich kannte ihre. Dies war der einzige Moment, in dem mich verstanden gefühlt habe. Denn sie dachte genauso über die richtige Welt wie ich. Sie verabscheute ebenfalls vieles, dass ihr in der Schule passierte.  Damals der Dreh- und Angelpunkt von allem. Ausgangspunkt meiner Probleme mit der Welt. Dachte ich jedenfalls. Weiterlesen

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Jobsuche

Seit einer Stunde scrolle ich durch diverse Online-Jobportale. Je öfter ich weiter klicke und je mehr Stellenanforderungen ich mir durchlese, desto unmotivierter werde ich.

Es fängt jedes Mal gleich an. Ich träume von etwas, das ich mir leisten möchte. Eine neue coole Hose. Winterschuhe. Schminke. Ein teureres Geschenk für meinen Freund. Lindt-Pralinen für meine Mum. Einen Urlaub. Oder ich denke daran, dass ich ab dem nächsten Monat unglaublich viel Miete zahlen muss und meinen Eltern nicht noch mit Internet und GEZ-Gebühren auf der Tasche liegen will. Ich möchte mein eigenes Geld verdienen und auch ausgeben. Einen ersten Schritt in die Arbeitswelt machen. Erfahrungen sammeln. An meine Grenzen stoßen und sie ausdehnen. Nicht mehr in meiner kleinen behüteten Welt wohnen. Doch dafür muss mir jemand die Chance geben, einen Schritt in diese Richtung zu gehen. Ja, ich habe bisher noch in keinem Modeladen gearbeitet. Genauso wenig wie in jedem anderen Laden. Ich habe diese Erfahrung nicht, die zwar in der Stellenausschreibung nur als gewünscht ausgeschrieben wird, doch im Nachhinein eigentlich Pflicht ist. Dass ich total gerne mit Menschen in Kontakt trete und mich total darüber freuen würde, andere zu beraten, das kann ich noch so oft in mein Anschreiben schreiben. So lange die erwünschten Tätigkeiten mit keinem Wort in meinem Lebenslauf erwähnt werden, werde ich den Job nicht bekommen. Lädt das nicht zum Mogeln ein?
Gebt mir doch einfach eine Chance. Ich kann Sachen lernen. Irgendwann muss jeder einmal anfangen. In den meisten Jobs werden gute bis sehr gute Excel Kenntnisse vorausgesetzt. Es gibt Kurse dafür. Auch das kann man lernen. Woher soll ich diese Kenntnisse haben? Ich habe ja schließlich keinen Job und kein Geld, mir einen Kurs zu leisten. Selbst wenn ich das könnte fehlt mir im Nachhinein die praktische Erfahrung damit. Genauso wie photoshop. Man muss täglich mit solchen Programen abreiten, um sie zu beherrschen. Gebt mir eine Chance und Zeit. Nur Zeit, das hat kein Unternehmen mehr heutzutage.
Dann kommt hinzu, dass ich wegen meines Vollzeitstudiums gerade mal 10 Stunden die Woche arbeiten kann. Und das auch nur, wenn der Samstag inklusive ist.

Aber irgendwie ist es doch möglich. Es muss möglich sein. Ich werde einfach weiter jede Nacht nach Stellenanzeigen suchen und auch in der Stadt die Augen offen halten. Irgendjemand wird mir eine Chance geben. Oder?

Einfach nur Gedanken loswerden…

Das kann doch nicht sein. Ich habe mir gerade das Knie an der Schreibtischkante gestoßen und fange an mit heulen. Klar, es tut weh, aber ich bin doch keine fünfjährige mehr die wegen jedem bisschen weinen muss. Okay. Es ist mehr. Sehr viel mehr. Gerade habe ich wieder mit Schrecken festgestellt, dass meine Heizung nicht mehr warm wird. Ich habe eben noch geschaut, ob sie funktioniert, bevor ich gelüftet habe. Jetzt sitze ich im ausgekühlten Zimmer und sie funktioniert nicht mehr. In meiner neuen WG habe ich eine Gasheizung, der riesige Kasten hängt im Flur und blinkt – Fehlermeldung. Im Internet habe ich dazu Verschiedenes nachlesen können. Von Lebensgefahr bis die Heizung hat sich von alleine ausgestellt. Das geht jetzt schon mehrere Tage so. Es ist ein Glücksspiel ob die Heizung geht oder nicht. Die Vermieter sind momentan nicht erreichbar, ihr Geschäft unten im Haus gönnt sich noch Winterferien. Eigentlich sollte die Heizung auch gewartet werden am 1.12. Meine Mitbewohnerin meinte, sie verschiebt den Termin. Weil keiner von uns im Hause war an dem Tag. Gestern habe ich bei den Kontrollblättern nachgesehen. Kein 2014 Kontrollblatt drin. Doch sie behauptet der Typ wäre da gewesen. Der Hausmeister hätte ihn rein gelassen. Na super. Wozu wohne ich in einer WG? Um angelogen zu werden? Um nur Vorwürfe an den Kopf geworfen zu bekommen? „Man muss doch nicht bei den 10 Sekunden auf dem Klo die Heizung im Bad anmachen!“ „Du vergisst jedes Mal das Licht auszumachen!“ „Warum wohnst du überhaupt hier?“ Nein, der letzte Vorwurf wurde nicht ausgesprochen. Aber das frage ich mich. Warum habe ich mir das angetan? Ich wollte unbedingt umziehen. Das Zimmer war groß und günstig. Die Lage ideal. Doch von Tag zu Tag haben sich Wohnung sowie Verhältnis zu den Mitbewohnerinnen immer mehr verschlechtert. Gestern ist es eskaliert. Ich will hier nicht mehr sein. Jeden Tag Tränen. Gesundheitliche Probleme, Appetitlosigkeit, Zweifel an mir selbst, ob ich einfach WG-untauglich bin. Enttäuschung von der einen Mitbewohnerin, der ich bisher vertraut habe und der ich mich geöffnet habe. Ich schreibe demnächst Prüfungen, kann mich in dieser Wohnung aber einfach nicht zum Lernen bekommen. Wie soll man auch an einem Ort lernen, an dem man sich nicht wohl fühlt?
Der Plan: Ich fahre nach Hause. Dort wollte ich eigentlich erstmal nicht mehr hin, zumindest für zwei Wochen hier bleiben. Denn es ist jedes Mal eine Katastrophe wieder zurück in die Wohnung zu müssen. Daheim ist auch nicht mehr richtig mein zu Hause, auch wenn ich mein altes Zimmer noch habe und es sich noch sehr ähnlich sieht, ist es doch nicht mehr von mir bewohnt. Ich habe das Gefühl kein Zuhause zu haben. Denn es kommt noch ein dritter Ort hinzu, an dem ich mich permanent aufhalte und auch aufhalten will. Nur dass ich dort wirklich nichts für die Uni tue und nur das Leben genieße. Bei meinem Freund in seiner WG und seiner Stadt. Mein Sozialleben leidet darunter, wenn ich andauernd bei ihm bin aber ich kann nicht ohne ihn sein. Wir haben die Ferien fast komplett miteinander verbracht, waren im Urlaub und damit in einer gemeinsamen Wohnung. Es war so schön, dass es mir jetzt noch viel schwerer fällt alleine zu sein, ihn nicht mehr bei mir zu haben. Es ist okay, wenn man beschäftigt und abgelenkt ist. Aber es fehlt einfach, sich nachts an ihn zu kuscheln und morgens mit einer Umarmung aufzuwachen. Es fehlt morgens mit ihm zu frühstücken. Abends mit ihm auf der Couch zu sitzen und Karten zu spielen. Mit ihm spontan spazieren zu gehen, wenn einem nach frischer Luft ist. Der Kontakt über „WhatsApp“ und Co stresst uns. Telefonieren ist auch nicht das wahre. Treffen müssen wir planen, wobei wir eigentlich mehr spontane Typen sind. Zumindest er.
Dass ich noch vor einigen Tagen so glücklich und unbeschwert durch die Gegend gelaufen bin macht das ganze jetzt noch umso unerträglicher.
Wenigstens ein Hoch gibt es, dass ich in der Uni sehr gute Freunde gefunden habe. Ich hätte nur einfach gerne mehr Zeit für sie…
Und zu guter Letzt das große Problem eines jeden Studenten: das Geld und der Job. Ich brauche mehr Geld um mir eine bessere Wohnung leisten zu können. Hier kann ich nicht wohnen bleiben. Wirklich nicht. Aber wann soll ich einen Job noch unterbekommen?

Warum muss das alltägliche Leben nur so kompliziert und belastend sein?

Tränen

Es ist noch gar nicht so langer her, als ich mir fest vorgenommen hatte nicht mehr zu weinen. Dass das Leben zu schön ist zu weinen. Jetzt ist es Montag und ich sitze schon wieder mit nassen Wangen da. Der Mülleimer füllt sich mit Papiertaschentüchern und meine Augen hören nicht auf, weitere Tränen zu produzieren. Das Leben ist schön. Ja. Aber genau wenn man weiß, wie schön es sein kann ist es noch schlimmer in diesem tiefen schwarzen Loch zu sein.

Okay, von vorne:

Nach einem halben Jahr des Nichtstuns, Leben genießen und Reisen hat vor ca. drei Wochen mein Studium angefangen. Ich bin dafür umgezogen in eine größere Stadt. Eine ziemliche Großstadt für mich als Dorfkind.
Und ich fühle mich so überhaupt nicht wohl. In meinem Studiengang gibt es nette Menschen, die mir auch schon sehr ans Herz gewachsen sind und mit denen ich gerne die Freistunden verbringe und mich auch so treffe. Aber sie sind leider größtenteils Pendler, oder man hat halt eben schon den ganzen Uni-Tag miteinander verbracht (Ich muss dazu sagen, ich bin in einer FH und habe alles mit allen zusammen, also 115 Leute haben alle den gleichen Stundenplan, wie eine große Klasse). Dann verabrede ich mich auch noch öfter so mit Freunden, da ich nicht weit weg gezogen bin. Mittlerweile frage ich mich sowieso, wieso ich umgezogen bin. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis mal alleine zu wohnen, fand den Gedanken einer WG toll und die Busverbindung zu meinem Dorf ist jetzt nicht soo überragen, vor allem nachts nicht mal vorhanden. Jetzt bin ich in zehn Minuten auf dem Campus, das ist natürlich sehr angenehm. Aber das in Kauf zu nehmen, dafür, dass ich jetzt so unglücklich bin? Jedes Mal wenn ich länger als eine Stunde in dieser Wohnung bin kriege ich einen Heulkrampf. Bisher habe ich jedes Wochenende entweder daheim oder bei meinem Freund verbracht, weil ich es hier nicht aushalte. Dazu kommt, dass mein WG-Leben sowas von gar nicht einem WG-Leben entspricht. Ich weiß nicht, woran das liegt. Wahrscheinlich bin ich auch mit Schuld.
Aber ist es denn WG-Leben, wenn jeder sein ganz eigenes Süppchen kocht? Wenn ich total lieb nachfragen muss, ob ich denn mal eine Salat-Schale von den anderen benutzen darf und jeder sein eigenes Besteck mitbringt, dass jetzt ganze drei Schubladen belagert?
Und wozu ziehe ich aus, wenn ich hier noch kritischer beäugt werde, wenn ich mal nicht sofort mein Geschirr spüle oder mal nicht pünktlich am Sonntag sauber mache, wenn es nicht dreckig aussieht.
Dazu kommt dass die Wohnung total alt ist und überhaupt nicht schön aussieht. Warum habe ich sie nur genommen? Ich bereue diese Entscheidung so sehr. Aber würde ich mich auch so gut mit meinen Eltern verstehen, wenn ich daheim wohnen geblieben wäre? Wahrscheinlich wäre ich total angenervt immer diesen langen Weg nach Hause zu haben. Aber ich hätte meine eigenen vier Wände um mich herum und Menschen, die mich lieben.
Hier fühle mich einsam. Total einsam. Dazu muss ich sagen, dass ich eine Fernbeziehung habe und nicht einfach zu meinem Freund fahren kann.
Ich weiß nicht, was ich noch schreiben soll, die Tränen haben immer noch nicht aufgehört zu kugeln. Es geht nicht anders.
Ich hätte am Freitag wirklich nicht gedacht, dass es nochmal zu so einem Absturz kommen könnte. Ich war so unglaublich glücklich. Das Leben war so schön. Aber der Gedanke daran, diese Sehnsucht, zurück in die Vergangenheit zu wollen, sie ist so groß.
Das macht das ganze nur noch viel schlimmer.

Warum?

Warum ist es nur so einfach den Kopf in den Sand zu stecken,
und so schwer immer 180% zu geben?

Warum ist es nur so einfach zu träumen,
und so schwer seine Träume wahr werden zu lassen?

Warum ist es nur so einfach zu planen,
und so schwer zu leben?

Warum ist es nur so einfach wegzuschauen,
und so schwer zu handeln?

Warum ist es nur so einfach stetig weiterzuleben,
und so schwer etwas zu ändern?

Warum ist es nur so einfach davonzulaufen,
und so schwer Entscheidungen zu treffen?

Warum ist es nur so einfach sich unter einer Decke zu verkriechen,
und so schwer sich der Welt mit voller Kraft zu präsentieren?

Warum ist es nur so einfach durch die rosarote Brille zu sehen
und so schwer der realen Welt in die Augen zu schauen?