Gedankenchaos – ein Brief an dich

Liebe Hanniball, oder wie wir uns früher genannt haben, lieber Zwilling,

ich öffne das Word Dokument. Und schließe es. Dann öffne ich es wieder. Und schließe ich es wieder. Zwischenzeitlich springe ich zwischen den Tabs meines Browsers hin und her. In dem einen Tab habe ich mein altes Schreibforum offen. Dort, wo ich vor fünf Jahren meine Heimat fand. Vielleicht auch schon früher. Es war mein Höhepunkt meiner Schreibphase. Ich schrieb unzählige Texte. Konnte nicht einmal im Unterricht aufhören, meine Gedanken und Träume in Geschichten zu verpacken und sie nieder zu schreiben. Ich teilte sie in dem Schreibforum. Dort sind sie bis heute noch online. Ich öffne den  Tab mit dem Facebook Profil von dir. Hanniball. In dem Postfach von dem Schreibforum ist eine meiner letzten Mails an dich gerichtet. Sie ist von 2013. Ich weiß, dass wir danach noch ab und zu über facebook und SMS geschrieben haben. Doch es war nicht mehr so wie die ganze Zeit davor. Du warst mittlerweile glücklich und mit deinem Traumtypen zusammen. Der Kontakt war zerbrochen, als du mich nicht mehr gebraucht hast. Ich verübele es dir nicht. Wir haben uns über die Probleme und Tiefen des Lebens unterhalten. Nun warst du glücklich und wir hatten kein Thema mehr. Unsere gemeinsame Basis war zerbrochen. Weiterlesen

Leben … am liebesten in einem Paralleluniversum

Als ich am Wochenende daheim war habe ich mal wieder in einem meiner alten Notizbücher gestöbert und alte Texte von mir gelesen. Egal ob es nur Gedanken waren oder wirklich Geschichten. Sie hatten eines gemeinsam. Meine triste Einstellung dem Leben gegenüber.

Zum Beispiel sagte die Ich-Figur in einer Geschichte ihrem Gegenüber: „Ich habe alles versucht, doch ich schaffe es einfach nicht, im echten Leben glücklich zu sein.“ In diesem Moment befand sich die Ich-Figur in einer anderen Welt. In einer Welt, die ich mir zusammen mit einer Person aufgebaut habe, die ich im Internet kennengelernt habe. In einem sicheren Rahmen, einer Schreibcommunity.  Das absurde war, dass dieses Mädchen alle meine Gedanken kannte. Alle meine Sehnsüchte und Ängste. Und ich kannte ihre. Dies war der einzige Moment, in dem mich verstanden gefühlt habe. Denn sie dachte genauso über die richtige Welt wie ich. Sie verabscheute ebenfalls vieles, dass ihr in der Schule passierte.  Damals der Dreh- und Angelpunkt von allem. Ausgangspunkt meiner Probleme mit der Welt. Dachte ich jedenfalls. Weiterlesen

Trennung

Nachdem ich eben das Internet nach Tipps zur Verarbeitung einer Trennung durchforstet habe und es mir nichts gebracht hat muss ich meine Gedanken nun aufschreiben.

Der beste Tipp den ich gefunden habe („Ironie“): Ablenkung aber keine Verdrängung.

Was soll man denn mit diesem Tipp anfangen? Ablenkung hatte ich zum Glück genug, endlich konnte ich wieder meine Zeit frei einteilen und viel mit Freunden machen, die meiner Meinung nach während der fast zweijährigen Beziehung ein  bisschen zu kurz kamen.  Doch mit der Ablenkung kam die Verdrängung. Und nur dank eines gewissen Alkoholpegels und nervenden Männer in Tanzclubs kam ich wieder auf den Boden der Tatsachen und fand mich heulend auf der Mädchentoilette wieder. Weiterlesen

Der Weg zum glücklich sein…?

Mein letzter Abend daheim – bei meinen Eltern in dem Haus in dem ich aufgewachsen bin und in dem ich die ersten 18 Jahre meines Lebens gelebt habe.

Zumindest mein letzter Abend dieser Weihanchtsferien. Vielleicht werde ich schon bald wieder hier her kommen. Aber es ist trotzdem jedes Mal ein komisches Gefühl. Ich habe jetzt zwei Wochen ungefähr wieder hier gewohnt und mich wieder eingewöhnt. Es ist, als ob mein „neues“ Leben da draußen ein Traum gewesen wäre, ein langer Traum, von dem ich vor zwei Wochen aufgewacht bin. Weiterlesen

Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft.

Drei Begriffen, drei Worte, die jeder von uns benutzt. Sie stehen im Wörterbuch, sie sind in unserem normalen Sprachgebrauch. Aber ist dir auch bewusst, dass sie unser ganzes Leben beschreiben? Unser Dasein auf der Welt?

Die Vergangenheit ist, was dich geprägt hat. Was dich ausmacht, woraus dein Charakter entstanden ist. Schlechte Erfahrungen, Hürden, die du nehmen musstest , haben dich gestärkt.
Positive Erlebnisse und schöne Tage zaubern dir immer noch ein Lächeln auf die Lippen und geben dir Lebensmut.

Die Gegenwart ist, was du tust. Wie lange geht die Gegenwart, ab wann ist etwas Vergangenheit? Das weiß wohl niemand so genau. Aber sie ist das hier und jetzt. Dein Leben. Momente, die zu schnell oder zu langsam vorüber gehen.

Die Zukunft ist das, was dir Kopfzerbrechen bereitet. Sie schenkt dir Hoffnung, gibt dir Angst und will, dass du mutig bist. Dass du dein Leben in die Hand nimmst, planst, dein hier und jetzt managest, damit du deine Ziele in der Zukunft erreichst.

Es gibt verschiedene Arten von Menschen. Diejenigen, die in der Vergangenheit leben und nur an das deken, was war. Es gibt Menschen unter uns, für mich die wahren Lebensmeister, die „Carpe Diem“ perfekt beherrschen. „Lebe den Augenblick“, das Motto, nachdem ich gerne Leben würde. Aber es klappt einfach nie. Denn die Zukunft geht mir nicht aus dem Kopf. Oder eben die Vergangenheit. Dann gibt es noch die Menschen, die immer einen Schritt voraus sind und ihr Leben bis zu einem bestimmten Punkt perfekt durchgeplant haben.

Naja und dann gibt es noch die „Normalos“, die weder das eine noch das andere sind. Also keine der Lebensarten perfekt beherrschen sondern im totalen Gedankenchaos leben. So wie ich eben.
Gerade mit meinem Drang, immer alle meine Emotionen und Gedanken in Worten auszudrücken, habe ich genug schriftliches Material um mich in die Vergangenheit zu träumen.
Entweder überkommt mich dann ein Gefühl, der Sehnsucht und der Wehmut. Nach unerreichten Zielen, die ich nie mehr erreiche werde, oder nach Dingen, die zu Ende gegangen sind ohne, dass ich es wirklich wollte.

Oder es überkommt mich Stolz, wenn ich an Hindernisse denke, die ich gemeistert habe, oder Projekte, die ich abgeschlossen habe.

In der Gegenwart zu leben fällt mir einfach nur schwer, oft sind meine Gedanken wie bereits gesagt entweder in der Vergangenheit, weil ich zum Beispiel nach vergleichbaren Situationen suche, oder in der Zukunft, weil ich mir denke, was mache ich danach. Oder eben noch weiter in der Zukunft, wie zum Beispiel bei meinem Auslandssemester. Hierbei sind aber auch träumerische und reale Zukunftsgedanken zu unterscheiden. Letzteres kenne ich nicht so gut.

Aber egal was für ein Mensch man ist, man sollte immer versuchen den Moment zu genießen, auch wenn es noch so schwer fällt. Aber das weiß wohl jeder von uns.

 

Auslandssemester?

Eigentlich wollte ich heute unbedingt über das Drama mit meiner neuen Wohnung schreiben. Ich befinde mich nämlich mitten in einer WG-Neugründung und mit der neuen Wohnung, also mit Verwalterin und Vermieterin, gibt es schon seit einem Monat nur Chaos und Probleme.

ABER ich will wieder positiver leben, oder es zumindest versuchen. Deswegen möchte ich heute über einen Gedanken schreiben, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Der mir zwar Angst macht, der mich aber auch mit Vorfreude und Aufregung erfüllt.

Wie die Überschrift schon verrät: Es geht um ein Auslandssemester.

Vor dem Studium war mir klar: Ich werde auf jeden Fall ein Semester im Ausland verbringen, nachdem das schon mit einem Freiwilligendienst im Ausland nicht geklappt hatte. Ich wollte mich sofort darum kümmern, das ganze soweit wie möglich planen. Doch wie das so ist, lässt man es dann doch schleifen. Mich haben aber auch die Partneruniversitäten nicht so überzeugt und bei der Recherche nach einer geeigneten Universität hat mich dann die Motivation verlassen, da es anscheinend schwierig ist, das ganze komplett alleine zu organisieren.
Aber ich hatte nur nach englischsprachigen Ländern geschaut. Weiterlesen

Jobsuche

Seit einer Stunde scrolle ich durch diverse Online-Jobportale. Je öfter ich weiter klicke und je mehr Stellenanforderungen ich mir durchlese, desto unmotivierter werde ich.

Es fängt jedes Mal gleich an. Ich träume von etwas, das ich mir leisten möchte. Eine neue coole Hose. Winterschuhe. Schminke. Ein teureres Geschenk für meinen Freund. Lindt-Pralinen für meine Mum. Einen Urlaub. Oder ich denke daran, dass ich ab dem nächsten Monat unglaublich viel Miete zahlen muss und meinen Eltern nicht noch mit Internet und GEZ-Gebühren auf der Tasche liegen will. Ich möchte mein eigenes Geld verdienen und auch ausgeben. Einen ersten Schritt in die Arbeitswelt machen. Erfahrungen sammeln. An meine Grenzen stoßen und sie ausdehnen. Nicht mehr in meiner kleinen behüteten Welt wohnen. Doch dafür muss mir jemand die Chance geben, einen Schritt in diese Richtung zu gehen. Ja, ich habe bisher noch in keinem Modeladen gearbeitet. Genauso wenig wie in jedem anderen Laden. Ich habe diese Erfahrung nicht, die zwar in der Stellenausschreibung nur als gewünscht ausgeschrieben wird, doch im Nachhinein eigentlich Pflicht ist. Dass ich total gerne mit Menschen in Kontakt trete und mich total darüber freuen würde, andere zu beraten, das kann ich noch so oft in mein Anschreiben schreiben. So lange die erwünschten Tätigkeiten mit keinem Wort in meinem Lebenslauf erwähnt werden, werde ich den Job nicht bekommen. Lädt das nicht zum Mogeln ein?
Gebt mir doch einfach eine Chance. Ich kann Sachen lernen. Irgendwann muss jeder einmal anfangen. In den meisten Jobs werden gute bis sehr gute Excel Kenntnisse vorausgesetzt. Es gibt Kurse dafür. Auch das kann man lernen. Woher soll ich diese Kenntnisse haben? Ich habe ja schließlich keinen Job und kein Geld, mir einen Kurs zu leisten. Selbst wenn ich das könnte fehlt mir im Nachhinein die praktische Erfahrung damit. Genauso wie photoshop. Man muss täglich mit solchen Programen abreiten, um sie zu beherrschen. Gebt mir eine Chance und Zeit. Nur Zeit, das hat kein Unternehmen mehr heutzutage.
Dann kommt hinzu, dass ich wegen meines Vollzeitstudiums gerade mal 10 Stunden die Woche arbeiten kann. Und das auch nur, wenn der Samstag inklusive ist.

Aber irgendwie ist es doch möglich. Es muss möglich sein. Ich werde einfach weiter jede Nacht nach Stellenanzeigen suchen und auch in der Stadt die Augen offen halten. Irgendjemand wird mir eine Chance geben. Oder?

Einfach nur Gedanken loswerden…

Das kann doch nicht sein. Ich habe mir gerade das Knie an der Schreibtischkante gestoßen und fange an mit heulen. Klar, es tut weh, aber ich bin doch keine fünfjährige mehr die wegen jedem bisschen weinen muss. Okay. Es ist mehr. Sehr viel mehr. Gerade habe ich wieder mit Schrecken festgestellt, dass meine Heizung nicht mehr warm wird. Ich habe eben noch geschaut, ob sie funktioniert, bevor ich gelüftet habe. Jetzt sitze ich im ausgekühlten Zimmer und sie funktioniert nicht mehr. In meiner neuen WG habe ich eine Gasheizung, der riesige Kasten hängt im Flur und blinkt – Fehlermeldung. Im Internet habe ich dazu Verschiedenes nachlesen können. Von Lebensgefahr bis die Heizung hat sich von alleine ausgestellt. Das geht jetzt schon mehrere Tage so. Es ist ein Glücksspiel ob die Heizung geht oder nicht. Die Vermieter sind momentan nicht erreichbar, ihr Geschäft unten im Haus gönnt sich noch Winterferien. Eigentlich sollte die Heizung auch gewartet werden am 1.12. Meine Mitbewohnerin meinte, sie verschiebt den Termin. Weil keiner von uns im Hause war an dem Tag. Gestern habe ich bei den Kontrollblättern nachgesehen. Kein 2014 Kontrollblatt drin. Doch sie behauptet der Typ wäre da gewesen. Der Hausmeister hätte ihn rein gelassen. Na super. Wozu wohne ich in einer WG? Um angelogen zu werden? Um nur Vorwürfe an den Kopf geworfen zu bekommen? „Man muss doch nicht bei den 10 Sekunden auf dem Klo die Heizung im Bad anmachen!“ „Du vergisst jedes Mal das Licht auszumachen!“ „Warum wohnst du überhaupt hier?“ Nein, der letzte Vorwurf wurde nicht ausgesprochen. Aber das frage ich mich. Warum habe ich mir das angetan? Ich wollte unbedingt umziehen. Das Zimmer war groß und günstig. Die Lage ideal. Doch von Tag zu Tag haben sich Wohnung sowie Verhältnis zu den Mitbewohnerinnen immer mehr verschlechtert. Gestern ist es eskaliert. Ich will hier nicht mehr sein. Jeden Tag Tränen. Gesundheitliche Probleme, Appetitlosigkeit, Zweifel an mir selbst, ob ich einfach WG-untauglich bin. Enttäuschung von der einen Mitbewohnerin, der ich bisher vertraut habe und der ich mich geöffnet habe. Ich schreibe demnächst Prüfungen, kann mich in dieser Wohnung aber einfach nicht zum Lernen bekommen. Wie soll man auch an einem Ort lernen, an dem man sich nicht wohl fühlt?
Der Plan: Ich fahre nach Hause. Dort wollte ich eigentlich erstmal nicht mehr hin, zumindest für zwei Wochen hier bleiben. Denn es ist jedes Mal eine Katastrophe wieder zurück in die Wohnung zu müssen. Daheim ist auch nicht mehr richtig mein zu Hause, auch wenn ich mein altes Zimmer noch habe und es sich noch sehr ähnlich sieht, ist es doch nicht mehr von mir bewohnt. Ich habe das Gefühl kein Zuhause zu haben. Denn es kommt noch ein dritter Ort hinzu, an dem ich mich permanent aufhalte und auch aufhalten will. Nur dass ich dort wirklich nichts für die Uni tue und nur das Leben genieße. Bei meinem Freund in seiner WG und seiner Stadt. Mein Sozialleben leidet darunter, wenn ich andauernd bei ihm bin aber ich kann nicht ohne ihn sein. Wir haben die Ferien fast komplett miteinander verbracht, waren im Urlaub und damit in einer gemeinsamen Wohnung. Es war so schön, dass es mir jetzt noch viel schwerer fällt alleine zu sein, ihn nicht mehr bei mir zu haben. Es ist okay, wenn man beschäftigt und abgelenkt ist. Aber es fehlt einfach, sich nachts an ihn zu kuscheln und morgens mit einer Umarmung aufzuwachen. Es fehlt morgens mit ihm zu frühstücken. Abends mit ihm auf der Couch zu sitzen und Karten zu spielen. Mit ihm spontan spazieren zu gehen, wenn einem nach frischer Luft ist. Der Kontakt über „WhatsApp“ und Co stresst uns. Telefonieren ist auch nicht das wahre. Treffen müssen wir planen, wobei wir eigentlich mehr spontane Typen sind. Zumindest er.
Dass ich noch vor einigen Tagen so glücklich und unbeschwert durch die Gegend gelaufen bin macht das ganze jetzt noch umso unerträglicher.
Wenigstens ein Hoch gibt es, dass ich in der Uni sehr gute Freunde gefunden habe. Ich hätte nur einfach gerne mehr Zeit für sie…
Und zu guter Letzt das große Problem eines jeden Studenten: das Geld und der Job. Ich brauche mehr Geld um mir eine bessere Wohnung leisten zu können. Hier kann ich nicht wohnen bleiben. Wirklich nicht. Aber wann soll ich einen Job noch unterbekommen?

Warum muss das alltägliche Leben nur so kompliziert und belastend sein?

Tränen

Es ist noch gar nicht so langer her, als ich mir fest vorgenommen hatte nicht mehr zu weinen. Dass das Leben zu schön ist zu weinen. Jetzt ist es Montag und ich sitze schon wieder mit nassen Wangen da. Der Mülleimer füllt sich mit Papiertaschentüchern und meine Augen hören nicht auf, weitere Tränen zu produzieren. Das Leben ist schön. Ja. Aber genau wenn man weiß, wie schön es sein kann ist es noch schlimmer in diesem tiefen schwarzen Loch zu sein.

Okay, von vorne:

Nach einem halben Jahr des Nichtstuns, Leben genießen und Reisen hat vor ca. drei Wochen mein Studium angefangen. Ich bin dafür umgezogen in eine größere Stadt. Eine ziemliche Großstadt für mich als Dorfkind.
Und ich fühle mich so überhaupt nicht wohl. In meinem Studiengang gibt es nette Menschen, die mir auch schon sehr ans Herz gewachsen sind und mit denen ich gerne die Freistunden verbringe und mich auch so treffe. Aber sie sind leider größtenteils Pendler, oder man hat halt eben schon den ganzen Uni-Tag miteinander verbracht (Ich muss dazu sagen, ich bin in einer FH und habe alles mit allen zusammen, also 115 Leute haben alle den gleichen Stundenplan, wie eine große Klasse). Dann verabrede ich mich auch noch öfter so mit Freunden, da ich nicht weit weg gezogen bin. Mittlerweile frage ich mich sowieso, wieso ich umgezogen bin. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis mal alleine zu wohnen, fand den Gedanken einer WG toll und die Busverbindung zu meinem Dorf ist jetzt nicht soo überragen, vor allem nachts nicht mal vorhanden. Jetzt bin ich in zehn Minuten auf dem Campus, das ist natürlich sehr angenehm. Aber das in Kauf zu nehmen, dafür, dass ich jetzt so unglücklich bin? Jedes Mal wenn ich länger als eine Stunde in dieser Wohnung bin kriege ich einen Heulkrampf. Bisher habe ich jedes Wochenende entweder daheim oder bei meinem Freund verbracht, weil ich es hier nicht aushalte. Dazu kommt, dass mein WG-Leben sowas von gar nicht einem WG-Leben entspricht. Ich weiß nicht, woran das liegt. Wahrscheinlich bin ich auch mit Schuld.
Aber ist es denn WG-Leben, wenn jeder sein ganz eigenes Süppchen kocht? Wenn ich total lieb nachfragen muss, ob ich denn mal eine Salat-Schale von den anderen benutzen darf und jeder sein eigenes Besteck mitbringt, dass jetzt ganze drei Schubladen belagert?
Und wozu ziehe ich aus, wenn ich hier noch kritischer beäugt werde, wenn ich mal nicht sofort mein Geschirr spüle oder mal nicht pünktlich am Sonntag sauber mache, wenn es nicht dreckig aussieht.
Dazu kommt dass die Wohnung total alt ist und überhaupt nicht schön aussieht. Warum habe ich sie nur genommen? Ich bereue diese Entscheidung so sehr. Aber würde ich mich auch so gut mit meinen Eltern verstehen, wenn ich daheim wohnen geblieben wäre? Wahrscheinlich wäre ich total angenervt immer diesen langen Weg nach Hause zu haben. Aber ich hätte meine eigenen vier Wände um mich herum und Menschen, die mich lieben.
Hier fühle mich einsam. Total einsam. Dazu muss ich sagen, dass ich eine Fernbeziehung habe und nicht einfach zu meinem Freund fahren kann.
Ich weiß nicht, was ich noch schreiben soll, die Tränen haben immer noch nicht aufgehört zu kugeln. Es geht nicht anders.
Ich hätte am Freitag wirklich nicht gedacht, dass es nochmal zu so einem Absturz kommen könnte. Ich war so unglaublich glücklich. Das Leben war so schön. Aber der Gedanke daran, diese Sehnsucht, zurück in die Vergangenheit zu wollen, sie ist so groß.
Das macht das ganze nur noch viel schlimmer.

Lieber Freund … Zukunft und so

Lieber Freund,

kennst du das? Du hast das Bedürfnis zu schreiben, deine Finger auf den Tasten zu spüren, das klappernde Geräusch als Hintergrundmusik und deinen Gedanken freien Lauf zu lassen – Deine Seele sprechen zu hören? Und dann startest du deinen Laptop, versuchst irgendeine bequeme Postiion zu finden um zu schreiben und bis das alles vollbracht ist, hast du deine Idee vergessen, dein Drang Worte auf ein weißes Blatt Papier zu bringen und sie zu Sätzen zu formen ist weg.
So geht es mir gerade, aber ich möchte nicht aufhören zu schreiben. Ich habe viel zu lange nicht mehr geschrieben, eine halbe Ewigkeit lang und ich merke, wie es mir schwer fällt, ordentliche Sätze zu formulieren oder auf Groß- und Kleinschreibung zu achten (auch wenn das zugegeben noch nie meine Spezialität war während einem Gedankenstrom auf so etwas banales zu achten, das sowieso nur die deutsche Sprache hat). Auch gibt es einen Grund, weshalb ich die Zeit investiert habe, meinen Laptop hochzufahren. Ich kann nicht mehr über längere Zeit einen Stift halten und damit schreiben. Mir tut die Hand nach einer Seite weh, einfach, weil ich dieser Tätigkeit in dem letzten halben Jahr überhaupt nicht mehr nachgekommen bin. Genauso wenig wie einen geregelten Alltag haben und früh aufstehen. Werde ich das denn überhaupt noch können? Und was genau habe ich denn in dieser Zeit gemacht? In der meine Freundin ganz Neuseeland bereist hat und nebenbei noch ihre hausmütterliche Ader aufgebessert hat und nun total selbstständig sein wird. Wobei ich auch das Gefühl habe, Selbstständig geworden zu sein in diesem einen halben Jahr. Aber warum fällt es mir dann so schwer auszuziehen. Mein Elternhaus zu verlassen und endlich auf eigenen Füßen zu stehen? Warum ist jeder Rückschlag und jede negative Eigenschaft in meiner Wohnung so effektvoll, dass sie mich dazu bringt, dass ich nicht hier ausziehen möchte? Warum kann ich nicht einfach kalt meinem Vater ins Gesicht sagen: Deine Tochter ist 19 und studiert. Sei froh, wenn sie versucht eigenständig zu werden und ihr eigenes Leben in die Hand nimmt, wenn er jeden Tag damit ankommt, dass er es nicht glauben kann, dass ich ausziehe und dass er mich vermissen wird und bla. Warum nimmt mich das so mit, dass ich ihm ins Gesicht sagen möchte: Okay, ich bleibe hier?
Weil das so verdammt einfacher wäre. Aber dann würde ich nicht merken, wie viel mir meine Eltern bedeuten, weil sie mir daheim auf die Nerven gehen würden. Weil sie mich daran hindern würden, auf eigenen Füßen zu stehen, eigene Erfahrungen zu machen. Deswegen muss ich ausziehen.
Außerdem ist der Weg in die FH sonst viel zu lange.
Die FH. Der Gedanke erfreut mich so dolle und doch macht er mir so viel Angst. Wobei, ich merke gerade, das rede ich mir ein. Ich denke noch in meinem alten Schema: Ich bin ein graues, unauffälliges Mädchen, dass sich anpasst und gerne mitläuft, dass leise ist und andere reden lässt. Vorhin ist mir eine Eigenschaft davon wieder eingefallen, und jetzt an mir aufgefallen. Nun ja, sie ist mir leider entfallen (tut mir Leid, bis eben wusste ich sie noch) aber das hat mich daran erinnert, wie stark ich mich entwickelt habe. Ich habe meinen eigenen Charakter und ich hoffe, das Mittelmaß an Anpassung und Abgrenzung zu finden. Denn es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die immer ja und super und toll so den Dingen sagen, die die neuen möglichen Freunde von sich geben. Es gibt aber auch nichts Schlimmeres als immer nur nein und was für ein Mist ist das denn? Dazu zu kommentieren. Man muss seinen eigenen Charakter haben und auf keinen Fall langweilig sein. Aber ich bin doch langweilig oder? Ich gehe direkt von der Schule an die FH. Habe nichts Spannendes gemacht dazwischen. Naja, ich hatte es ja versucht. Ich hatte mich für einen europäischen Freiwilligendienst beworben. Mein Traum war es, nach Spanien zu gehen und dort als Freiwilliger in einer Kindereinrichtung zu helfen. Du liest richtig, es WAR mein Traum. Eigentlich sollte er es immer noch sein, auch wenn es dieses Mal nicht geklappt hat, oder gerade deswegen. Aber er ist es nicht mehr. Ich bin ganz froh, dass ich nicht angenommen wurde oder auch nicht den Trostpreis, Italien und mit Senioren arbeiten genommen habe. Es scheint doch einen Grund zu geben, dass ich dieses Jahr nicht machen konnte… ich habe mich nicht genug angestrengt. Wenn man etwas wirklich will, von Herzen, dann tut man doch alles dafür. Doch das habe ich definitiv nicht. Nach drei Versuchen habe ich aufgegeben. Der erste Harken, es wäre für ein ganzes Jahr gewesen, ich hätte erst in einem Jahr angefangen. Da wäre ich noch mehr raus gewesen aus dem Lernen und geistlichem Arbeiten. Ich möchte jetzt studieren. Ich finde es genau richtig, nicht direkt im Sommersemester (ich hatte mein Abitur bereits im März vollendet) mit dem Studium angefangen zu haben. Das halbe Jahr und dessen Freiheiten und kleine Reisen haben mich geprägt und auch vor allem meiner Beziehung sehr gut getan. Wirklich langweilig war mir höchstens mal eine Woche lang. Auch wenn ich nicht weit weg war, ich war selten daheim und auf diesen kleineren Sachen bin ich auch stolz. Ich hebe mir die große weite Welt noch etwas auf. Sozusagen, um Spannung in mein Leben zu bringen. An meiner Wand hängt eine große Weltkarte. Und jedes Mal, wenn ich kurz einen Moment für mich habe, in dem ich nicht irgendwie herumwusele, dann schaue ich auf diese Karte und atme tief ein und aus. Denn das ist mein Traum. Diese Welt zu erkunden. Es ist mein Dessert vom Leben. Das beste kommt zum Schluss. Zugegeben, ich hätte gerne eine erste Kostprobe genommen, aber ich denke, die werde ich mir im Studium bei einem Auslandssemster gönnen. Denn dafür werde ich alles tun. Ich bereue es schon, nicht genau zu wissen, in wie weit sich das Leben in einer realen High School von dem Film „High School Musical“ unterscheidet. Dann möchte ich doch gerne den Unterschied zwischen dem tatsächlichen Collage Leben haben und dem in „22 Jump Street“ (Ist der letzte Collage Film den ich gerade gesehen habe :D). Ob ich wirklich nach Amerika stehe, das steht noch offen, aber ich werde ein Semester in einem anderen Land verbringen. Auch wenn da leider wieder meine Beziehung ins Spiel kommt. So eine lange Pause, in der man sich nicht sieht, ist schwer und kann durchaus der Beziehung schaden. Doch bis dahin, sind wir gerade einigermaßen lange genug zusammen, dass wir das schaffen sollten… okay, genug geschwafelt und Romantik und so, denkst du jetzt vielleicht. Du willst ja schließlich meine Gedanken hören und nicht einen Schnulzfilm vorgespielt bekommen.
Auch wenn ich mir wirklich im Moment manchmal so vorkomme, als sei ich mit in genau so einem Film. Gestern noch, da hatte ich einen Moment, in dem mir der Gedanke kam: Er macht mich so unglaublich glücklich. Ich hoffe wirklich so sehr, dass ich das hinbekomme, mit dem neuen Leben und ihm. Ich meine, er ist zum Glück Teil meines erwachseneren Ichs. Er hat mich sozusagen gefordert und sehr viel zu meinem Vertrauen in mich und in das Leben beigetragen. Manchmal frage ich mich, ob es nicht sogar zu viel ist. Jedenfalls… wie wird das, wenn ich neue Freunde finde, Partys mache, er nicht immer dabei sein kann oder einfach nicht in die Gruppe passt? Daran darf ich nicht denken, denn ich merke gerade, genau das ist es, wovor ich Angst habe. Auch , dass ich in Versuchung gerate. Ich meine, im Ernst, in dem besten Jahr, als Erstsemestler, will man doch einfach nur Spaß haben, oder? Auch was Jungs angeht. Aber ich muss in uns vertrauen. Okay, jetzt wird es wieder zu schnulzig. Und ich merke auch, zu lang.
Danke, dass ich dir immer schreiben kann.

Deine xo

PS: Es tut mir Leid, diesen Brief nicht noch einmal überprüft zu habe, bevor ich dir ihn schicke, aber ich denke, durch Satzfehlstellungen und anderen Fehlern kannst du vielleicht sogar noch authentischer meine Gedanken verfolgen. Wenn nicht, dann verzeih mir meine Faulheit einfach so :D