Vorlesung… die unangenehme Seite des Studiums

Auf der Suche nach neuen Ideen für einen Blogpost habe ich mir gerade die Frage gestellt, was machen Blogger eigentlich so? Was macht einen Blog aus? Als ich mich neulich durch die Blogwelt geklickt habe, bin ich auf den Blog von criticalpixie gelandet. Dort habe ich mir ihre Postings über ihr Leben mit dem „Galan“ unter der Kategorie Mann oh Mann durchgelesen. Sie hat mich daran erinnert, dass wir Blogger einfach aus dem Alltag schreiben und die erlebten Situationen abstrahieren, überspitzen und genau unter die Lupe nehmen. Zumindest sind es diese Beiträge, die mir auf Blogs sogar am besten gefallen. Denn man findet sich oft in ihnen wieder oder kennt zumindest ähnliche Situationen.

Nun, was erlebe ich denn so in meinem Alltag über das ich Bloggen könnte? Vielleicht könnte ich über das Bloggen, was ich gerade tue. Ich sitze in einer Vorlesung in der Hochschule. Wie ihr merkt schreibe ich aber auch gleichzeitig diesen Artikel, was mich zum Punkt bringt:

 Zuhören bei Vorlesungen.

Mein Vorhaben gestern beim Einschlafen, wirklich dieses Mal zuzuhören, hat sich schon nach der ersten viertel Stunde in Luft aufgelöst. Selbst wenn ich nicht meinen Laptop vor mir hätte (eigentlich habe ich ja immer mit der Hand mitgeschrieben – aber da ich ihn sowieso heute mit dabei hatte war ich dazu zu faul) würde ich meine Aufmerksamkeit wahrscheinlich trotzdem nicht auf die Vorlesung legen. Meine Notizen sind von ausführlichen und wortwörtlichen Mitschriften über drei Wörter Stichpunkten hin zu gar keinen Notizen gewandert.

Oh Moment, er hat eine Frage gestellt!

Die Stille holt mich zurück in den Hörsaal. Dazu muss ich ganz kurz…

Moment, er hat gesagt dieser Punkt ist wichtig. Aufschreiben!

… zurück zum Thema. Wo war ich? Achja genau. Der Dozent stellt uns Fragen und wir antworten. In unseren Hörsaal passen ca. 100 Studierende und momentan sind wir vielleicht 40. Nein, ich studiere an keiner privaten Hochschule sondern an einer Fachhochschule. Hier sind die Semester generell nicht größer als 130 Studierende. Wir haben aber einige auf dem Weg hin zum vierten Semester, in dem ich momentan bin, verloren.

Kurz Kopf nach oben – Interesse zeigen

Denn ich sitze in der vierten Reihe und vor mir sitzt nur eine andere Person. Der Dozent sieht mich genauso gut wie ich ihn. Naja, es sieht ja so aus, als würde ich zuhören und mitschreiben. Sein Skript habe ich immerhin auch offen. Irgendwo im Hintergrund. Mein Ohr ist schon geschult auf wichtige Ausdrücke. Leider sind seine Hinweisworte meistens nicht so direkt wie das Wort „Klausurrelevant“. Dieses Wort ist perfekt. Außer es kommt am Ende eines langen Vortrages. Dann bricht generell Panik aus. Aber das Wissen, dass die Informationen aus dem Skript reichen um nicht durch die Prüfung zu fallen beruhigt. Soweit man das Skript hat. Denn hier gibt es Urheberrechtsprobleme und nicht jeder Dozent möchte, dass sein Skript im Internet landet. Fragt sich nur warum – weil sie Angst haben, ihr Werk/ ihre Arbeit/ ihr Arbeitsaufwand könnte geklaut werden oder weil sie Angst haben, ihren Ruf als guten Dozenten zu verlieren – weil das Skript so schlecht ist.

Weder der eine noch der andere Gedanke sind auszuschließen. Ein bisschen traurig.

Ein kurzes Aufhorschen – oh er benutzt das Wort wichtig.

Wichtig für mich als Student oder wichtig für mich als Unternehmensgrüner? Da ich letzteres momentan noch nicht geplant habe, also ein Unternehmen zu gründen, würde dies nicht so für mich zählen. Bis es dahin kommt, hab ich den Punkt sowieso wieder vergessen. Das ist das Problem: das Vergessen. Ein Student, dem das Wort „Bulimielernen“ nichts sagt, hat meinen vollen Respekt. Außer er verwendet ein anderes Wort für die Taktik, so viel Wissen in sich zu packen um irgendwie die Prüfung auf angemessenem Niveau zu bestehen (oder auch einfach nur zu bestehen), dass es zu viel ist, um es auf langer Zeit hin zu behalten. Meistens ist das Wissen mit dem Aufschreiben in der Prüfung wie aus dem Kopf gelöscht. Es muss ja auch Platz gemacht werden für das neue Wissen. Ist dann nach dem Studium das Gehirn lehr? Das wäre unpraktisch. Überhaupt, wie hilft mir das, was der Dozent da vorne fast im Monolog vor sich hin redet im richtigen Leben?

 Oh, wieder eine Frage. Aufschauen und so tun, als würde man denken.

Schauen wir mal auf die Uhr. Mh, noch eine Viertelstunde. Langeweile macht sich in mir breit. Unauffällig schaue ich mich um. Meine Freundinnen neben mir sitzen am Handy. Die eine spielt „Candy Crush“ die andere ist auf Pinterest unterwegs. Rechts neben mir malt mein Kommilitone die Rückseite seines Blocks an.

„Dies ist ein guter Punkt eine kleine Pause zu machen“

Mein Lieblingssatz an diesem verregneten Morgen.

Und nach der Vorlesung ist das schlechte Gewissen wieder da. Ich werfe mir vor, ich hätte zuhören sollen. Mein Plan steht fest für die nächste Vorlesung: Zuhören! (von wegen…)

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2 Gedanken zu “Vorlesung… die unangenehme Seite des Studiums

  1. Es ist ja nicht so, als würden wir Dozenten nicht mitkriegen, wenn die Studenten abschweifen. Meine Seminare sind daher Mitmach und Denkseminare. Vorlesungen kann man sich im Grunde selbst ein Standardwerk eines Dozenten. Damals, als das Internet noch nicht alle Möglichkeiten eröffnete, waren Vorlesungen sicherlich sinnvoller oder wenn man direkt danach oder in einem Begleitseminar über das Gehörte diskutieren wollte.
    Bei mir waren die meisten Vorlesungen während des Studiums freiwillig. Und zu den guten Dozenten ging man hin. Und denen hätte ich dann auch genug Respekt und Höflichkeit entgegen gebracht, nicht Candy Crush zu spielen … Meistens.

    • Ah du bist Dozentin? Dann habe ich ja gleich die richtige Zielgruppe getroffen ;) Ich finde Mitmach und Denkseminare klingt sehr gut. Das würde mir auch gefallen. Wenn ein Dozent eine gute Vorlesung hält, oder eine eigentlich langweilige Vorlesung spannend herüberbringt und das Vortragen einfach kann, dann würde ich mich sehr gerne darauf konzentrieren. Es gibt ja einen Grund, warum ich studiere. Nämlich weil mich die Thematik interessiert, ich später mit dem Wissen ins Berufsleben starten will und um mich weiterzubilden. Aber nicht, um mir Folien vorlesen zu lassen. Ich bin eigentlich auch eine sehr höfliche Person und ich habe auch ein schlechtes Gewissen, dass ich dem Dozenten nicht meine Aufmerksamkeit gebe.

      Wir haben gestern unter Komilitonen eine Diskussion geführt, ob Dozenten nicht auch wie Lehrer einen pädagogische Ausbildung haben sollten. Diesen Ansatz sollte man wirklich mal überdenken.

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