Lieber Freund … Zukunft und so

Lieber Freund,

kennst du das? Du hast das Bedürfnis zu schreiben, deine Finger auf den Tasten zu spüren, das klappernde Geräusch als Hintergrundmusik und deinen Gedanken freien Lauf zu lassen – Deine Seele sprechen zu hören? Und dann startest du deinen Laptop, versuchst irgendeine bequeme Postiion zu finden um zu schreiben und bis das alles vollbracht ist, hast du deine Idee vergessen, dein Drang Worte auf ein weißes Blatt Papier zu bringen und sie zu Sätzen zu formen ist weg.
So geht es mir gerade, aber ich möchte nicht aufhören zu schreiben. Ich habe viel zu lange nicht mehr geschrieben, eine halbe Ewigkeit lang und ich merke, wie es mir schwer fällt, ordentliche Sätze zu formulieren oder auf Groß- und Kleinschreibung zu achten (auch wenn das zugegeben noch nie meine Spezialität war während einem Gedankenstrom auf so etwas banales zu achten, das sowieso nur die deutsche Sprache hat). Auch gibt es einen Grund, weshalb ich die Zeit investiert habe, meinen Laptop hochzufahren. Ich kann nicht mehr über längere Zeit einen Stift halten und damit schreiben. Mir tut die Hand nach einer Seite weh, einfach, weil ich dieser Tätigkeit in dem letzten halben Jahr überhaupt nicht mehr nachgekommen bin. Genauso wenig wie einen geregelten Alltag haben und früh aufstehen. Werde ich das denn überhaupt noch können? Und was genau habe ich denn in dieser Zeit gemacht? In der meine Freundin ganz Neuseeland bereist hat und nebenbei noch ihre hausmütterliche Ader aufgebessert hat und nun total selbstständig sein wird. Wobei ich auch das Gefühl habe, Selbstständig geworden zu sein in diesem einen halben Jahr. Aber warum fällt es mir dann so schwer auszuziehen. Mein Elternhaus zu verlassen und endlich auf eigenen Füßen zu stehen? Warum ist jeder Rückschlag und jede negative Eigenschaft in meiner Wohnung so effektvoll, dass sie mich dazu bringt, dass ich nicht hier ausziehen möchte? Warum kann ich nicht einfach kalt meinem Vater ins Gesicht sagen: Deine Tochter ist 19 und studiert. Sei froh, wenn sie versucht eigenständig zu werden und ihr eigenes Leben in die Hand nimmt, wenn er jeden Tag damit ankommt, dass er es nicht glauben kann, dass ich ausziehe und dass er mich vermissen wird und bla. Warum nimmt mich das so mit, dass ich ihm ins Gesicht sagen möchte: Okay, ich bleibe hier?
Weil das so verdammt einfacher wäre. Aber dann würde ich nicht merken, wie viel mir meine Eltern bedeuten, weil sie mir daheim auf die Nerven gehen würden. Weil sie mich daran hindern würden, auf eigenen Füßen zu stehen, eigene Erfahrungen zu machen. Deswegen muss ich ausziehen.
Außerdem ist der Weg in die FH sonst viel zu lange.
Die FH. Der Gedanke erfreut mich so dolle und doch macht er mir so viel Angst. Wobei, ich merke gerade, das rede ich mir ein. Ich denke noch in meinem alten Schema: Ich bin ein graues, unauffälliges Mädchen, dass sich anpasst und gerne mitläuft, dass leise ist und andere reden lässt. Vorhin ist mir eine Eigenschaft davon wieder eingefallen, und jetzt an mir aufgefallen. Nun ja, sie ist mir leider entfallen (tut mir Leid, bis eben wusste ich sie noch) aber das hat mich daran erinnert, wie stark ich mich entwickelt habe. Ich habe meinen eigenen Charakter und ich hoffe, das Mittelmaß an Anpassung und Abgrenzung zu finden. Denn es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die immer ja und super und toll so den Dingen sagen, die die neuen möglichen Freunde von sich geben. Es gibt aber auch nichts Schlimmeres als immer nur nein und was für ein Mist ist das denn? Dazu zu kommentieren. Man muss seinen eigenen Charakter haben und auf keinen Fall langweilig sein. Aber ich bin doch langweilig oder? Ich gehe direkt von der Schule an die FH. Habe nichts Spannendes gemacht dazwischen. Naja, ich hatte es ja versucht. Ich hatte mich für einen europäischen Freiwilligendienst beworben. Mein Traum war es, nach Spanien zu gehen und dort als Freiwilliger in einer Kindereinrichtung zu helfen. Du liest richtig, es WAR mein Traum. Eigentlich sollte er es immer noch sein, auch wenn es dieses Mal nicht geklappt hat, oder gerade deswegen. Aber er ist es nicht mehr. Ich bin ganz froh, dass ich nicht angenommen wurde oder auch nicht den Trostpreis, Italien und mit Senioren arbeiten genommen habe. Es scheint doch einen Grund zu geben, dass ich dieses Jahr nicht machen konnte… ich habe mich nicht genug angestrengt. Wenn man etwas wirklich will, von Herzen, dann tut man doch alles dafür. Doch das habe ich definitiv nicht. Nach drei Versuchen habe ich aufgegeben. Der erste Harken, es wäre für ein ganzes Jahr gewesen, ich hätte erst in einem Jahr angefangen. Da wäre ich noch mehr raus gewesen aus dem Lernen und geistlichem Arbeiten. Ich möchte jetzt studieren. Ich finde es genau richtig, nicht direkt im Sommersemester (ich hatte mein Abitur bereits im März vollendet) mit dem Studium angefangen zu haben. Das halbe Jahr und dessen Freiheiten und kleine Reisen haben mich geprägt und auch vor allem meiner Beziehung sehr gut getan. Wirklich langweilig war mir höchstens mal eine Woche lang. Auch wenn ich nicht weit weg war, ich war selten daheim und auf diesen kleineren Sachen bin ich auch stolz. Ich hebe mir die große weite Welt noch etwas auf. Sozusagen, um Spannung in mein Leben zu bringen. An meiner Wand hängt eine große Weltkarte. Und jedes Mal, wenn ich kurz einen Moment für mich habe, in dem ich nicht irgendwie herumwusele, dann schaue ich auf diese Karte und atme tief ein und aus. Denn das ist mein Traum. Diese Welt zu erkunden. Es ist mein Dessert vom Leben. Das beste kommt zum Schluss. Zugegeben, ich hätte gerne eine erste Kostprobe genommen, aber ich denke, die werde ich mir im Studium bei einem Auslandssemster gönnen. Denn dafür werde ich alles tun. Ich bereue es schon, nicht genau zu wissen, in wie weit sich das Leben in einer realen High School von dem Film „High School Musical“ unterscheidet. Dann möchte ich doch gerne den Unterschied zwischen dem tatsächlichen Collage Leben haben und dem in „22 Jump Street“ (Ist der letzte Collage Film den ich gerade gesehen habe :D). Ob ich wirklich nach Amerika stehe, das steht noch offen, aber ich werde ein Semester in einem anderen Land verbringen. Auch wenn da leider wieder meine Beziehung ins Spiel kommt. So eine lange Pause, in der man sich nicht sieht, ist schwer und kann durchaus der Beziehung schaden. Doch bis dahin, sind wir gerade einigermaßen lange genug zusammen, dass wir das schaffen sollten… okay, genug geschwafelt und Romantik und so, denkst du jetzt vielleicht. Du willst ja schließlich meine Gedanken hören und nicht einen Schnulzfilm vorgespielt bekommen.
Auch wenn ich mir wirklich im Moment manchmal so vorkomme, als sei ich mit in genau so einem Film. Gestern noch, da hatte ich einen Moment, in dem mir der Gedanke kam: Er macht mich so unglaublich glücklich. Ich hoffe wirklich so sehr, dass ich das hinbekomme, mit dem neuen Leben und ihm. Ich meine, er ist zum Glück Teil meines erwachseneren Ichs. Er hat mich sozusagen gefordert und sehr viel zu meinem Vertrauen in mich und in das Leben beigetragen. Manchmal frage ich mich, ob es nicht sogar zu viel ist. Jedenfalls… wie wird das, wenn ich neue Freunde finde, Partys mache, er nicht immer dabei sein kann oder einfach nicht in die Gruppe passt? Daran darf ich nicht denken, denn ich merke gerade, genau das ist es, wovor ich Angst habe. Auch , dass ich in Versuchung gerate. Ich meine, im Ernst, in dem besten Jahr, als Erstsemestler, will man doch einfach nur Spaß haben, oder? Auch was Jungs angeht. Aber ich muss in uns vertrauen. Okay, jetzt wird es wieder zu schnulzig. Und ich merke auch, zu lang.
Danke, dass ich dir immer schreiben kann.

Deine xo

PS: Es tut mir Leid, diesen Brief nicht noch einmal überprüft zu habe, bevor ich dir ihn schicke, aber ich denke, durch Satzfehlstellungen und anderen Fehlern kannst du vielleicht sogar noch authentischer meine Gedanken verfolgen. Wenn nicht, dann verzeih mir meine Faulheit einfach so :D

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2 Gedanken zu “Lieber Freund … Zukunft und so

  1. Also erstmal: geregelter Alltag und so, ob das wieder kommt. Ja, es kommt wieder. Ich hab über ein halbes Jahr nichts getan, war arbeitslos (war nicht einmal auf Reisen) und habe es geschafft wieder morgens um 7 Uhr aufzustehen und zur FH zu fahren. Man muss es nur wirklich wollen.
    Und als zweites: „leise“ sein und nichts sagen ist nicht immer gut, aber kann auch deine Persönlichkeit ausmachen. Du musst nur wissen, wo die Grenze ist.
    Ich habe bis vor einigen Jahren nie etwas gesagt, bin mitgelaufen, war viel allein und habe mich immer im Hintergrund gehalten. Bis es mir gereicht hat. Ich war eigentlich nie der Typ dafür, hab mich aber „klein halten“ lassen von anderen. Und dann hab ich endlich mal gesagt, was ich denke. Ich hab direkt gesagt, was ich von allem halte, war direkter, hab laut gelacht, hab mich nicht mehr versteckt. Und das war auch gut so, und das ist wichtig. Noch immer bleibe ich oft ruhig, höre zu und denke nach über das, was andere tun und sagen, und erhebe erst meine Stimme, wenn ich weiß, dass ich etwas beitragen kann oder bzw., wenn ich weiß, dass es wichtig ist. Aber ich werde mich nie mehr „klein halten“ lassen. Ich bin ziemlich temperamentvoll, wenn man so will, aber ich bin auch geduldig und kann vergeben. Und das ist eine Persönlichkeit, oder eher nur ein Teil von ihr.
    Du wirst herausfinden, wer du bist, und wenn du nicht leise sein willst, wenn du nicht mitlaufen willst, dann tu es einfach nicht. Sei, wer du sein willst. Das ist das allerwichtigste.
    Und drittens: Ja, die Gedanken vergessen haben, bis man sie endlich notieren kann.. da ist ein bisschen Übung nötig um sie zu behalten, aber das schafft man schon, wenn man daran arbeitet. Notfalls ein Stichwort irgendwo (z.B. im Handy) notieren, fertig ist die Erinnerung :)

    • Danke ealyone für deinen langen Kommentar o_O Was du da schreibst klingt sehr interessant und danke dass du mir so persönlich von dir erzählt hast :) Und ja, das mit dem Notieren ist eine gute Idee, aber ich vertraue meinem Hirn zuviel, und denke, das behalte ich mir schon :D

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